Wer Ahnenforschung betreibt, macht immer wieder diese Beobachtung: Uroma und Uropa wurden längst nicht so alt wie Opa und Oma. Zumindest statistisch gesehen. Denn während um 1900 die Lebenserwartung für Frauen um die 74, für Männer um die 73 Jahre lag, stieg sie bis 1950 auf etwa 77 bzw. 76 Jahre an. Zur Jahrtausendwende konnten die Damen der Schöpfung im Schnitt auf über 83 Jahre hoffen, ihr männlicher Gegenpart auf 79. Und die Extrapolation des Statistischen Bundesamtes für die nächsten 4 Jahrzehnte errechnet einen weiteren Anstieg auf ca. 88  bzw. etwa 84 Jahre.

Erstaunlich - oder nicht? Nach wie vor genießen Frauen einen “Vorteil” gegenüber den Männern. Nicht nur, dass sie im Schnitt älter werden, sondern der statistische Abstand vergrößerte sich sogar. Mindestens mal bis etwa 2000.

Die Gründe sind vielschichtig: Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen, Hypertonie, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen werden als maßgeblich angesehen. Aber ganz offensichtlich ist nicht nur die Art und Weise der Lebensgestaltung bedeutsam. Daneben wird immer wieder ins Feld geführt, zahlreiche (immer noch) typische Männerberufe seien mit erhöhtem Gesundheits-, Unfall- und Todesrisiko verbunden. Auch das offensichtlich bewusstere Gesundheitsverhalten von Frauen scheint eine Rolle zu spielen: z. B. bei der Ernährung, aber auch im Hinblick auf ihre größere Bereitschaft, bei Gesundheitsstörungen ärztlichen Rat zu suchen.

Aber: Fachleute betonen ebenso die Bedeutung genetischer und hormoneller Faktoren. Das männliche Geschlechtshormon Testosteron gilt als “ungesünder” als die weiblichen Östrogene. Im Mittelpunkt der Beobachtungen stehen dabei die jeweiligen Auswirkungen insbesondere auf den Fettstoffwechsel: Testosteron fördert die Atherosklerose, Östrogene bewirken eine “bessere” Zusammensetzung des Gesamtcholesterins durch vermehrte HDL-Produktion.

Dass Kriegsereignisse ebenfalls eine Rolle spielen, leuchtet unschwer ein. So starben im Zweiten Weltkrieg deutlich mehr Männer als Frauen. Ergebnis: Nach Ende des Krieges kamen statistisch weniger als 9 Männer auf 10 Frauen, inzwischen haben sich die Zahlen deutlich angenähert.

Wir alle werden also immer älter. Die Frauen möglicherweise noch ein bißchen älter als die Männer. Klingt ja eigentlich insgesamt ganz erfreulich. Jedoch: Ganz unabhängig  von den geschlechtsspezifischen Daten stellt sich die Frage, wie geht die zukünftige Gesellschaft mit dieser Tatsache um? Besonders der medizinische Sektor? Gerecht, menschlich und mit adäquater Vernunft?!  Bei den öffentlichen Diskussionen stehen dabei stets wirtschaftliche, verwaltungstechnische und organisatorische Fragen (Stichwort “Ärztemangel”) im Vordergrund. Die ethische Problematik aber ist von zentraler Bedeutung.  Hier sind alle gesellschaftlichen Institutionen und Organisationen gefragt:  Ärzteschaft, Pharmaindustrie, Krankenkassen, die zuständigen Ministerien, Universitäten bis hin zu den Kirchen als Träger sozialer Einrichtungen und als ethische Meinungsbildner. Nur im breiten gesellschaftlichen Konsens sind die zukünftigen Probleme zu bewältigen. Denn anders als Methusalem, der lt. biblischen Quellen vor der Sintflut lebte, können und sollten wir nicht nach dem oft zitierten  Satz leben: “Nach uns die Sintflut…!”